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Warum dauerhafter Stress chronische Darmkrankheiten verschlechtert

Anhaltender Stress zieht auch den Darm in Mitleidenschaft. Insbesondere bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ist bekannt, dass psychische Belastungen zu akuten Krankheitsschüben führen können. Die molekularen Mechanismen dahinter sind bisher jedoch unzureichend erforscht. Ein Team um den Gastroenterologen Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Kai Markus Schneider konnte nun wichtige Erkenntnisse darüber beitragen, welche zellulären und biochemischen Vorgänge der Verbindung zwischen Psyche und Darm zugrundeliegen. Für die in „Cell“ publizierte Arbeit erhält Schneider, der an der Uniklinik der RWTH Aachen tätig ist, den diesjährigen TheodorFrerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM).

Unter Stress produziert der Körper verschiedene Hormone, die ihm helfen sollen, mit einer akuten Belastungssituation fertig zu werden. Kurzfristig steigert dieser Hormonschub tatsächlich die Leistungsfähigkeit, zündet Energiereserven und regt den Kreislauf an. Langfristig jedoch kann er zum gesundheitlichen Problem werden. Unter Dauerstress sind es speziell die in der Nebennierenrinde produzierten Glucocorticoide, die Entzündungsreaktionen im Darm eskalieren lassen. Das zeigten Schneider und sein Team in Versuchen an Mäusen.

Dabei wirken die Glucocorticoide offenbar nicht direkt auf die Entzündungszellen des Darms. Als erste Anlaufstelle und wichtigste Vermittlungsinstanz konnten die Forschenden vielmehr das so genannte Enterische Nervensystem (ENS) identifizieren. Das ENS bildet ein dichtes Geflecht, das die Darmwand durchzieht und aufgrund seiner komplexen Organisation zuweilen als „Bauchhirn“ bezeichnet wird. Unter Glucocorticoid-Einfluss, so zeigte die Untersuchung, kam es zu deutlichen Veränderungen dieses komplexen Gefüges.

„Die prämierte Arbeit befasst sich mit einem häufigen Krankheitsbild und einer medizinisch äußerst relevanten Fragestellung“, sagt Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM. Mithilfe moderner biochemischer Methoden sei es Schneider und den Koautoren gelungen, den kausalen Zusammenhang zwischen psychologischem Stress, Darmentzündungen und Darmmotilität zu verstehen, und an drei unterschiedlichen CED-Patientenkohorten zu bestätigen. Die Erkenntnisse, die in Studien an Patientinnen und Patienten weiter bestätigt werden müssen, seien ein wichtiger Beitrag für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und unterstrichen die Relevanz psychischer Gesundheit in der ganzheitlichen Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen.

Quelle: https://www.dgim.de/fileadmin/user_upload/PDF/Pressemeldungen/20240415_PM_Frerichspreis_2024_F.pdf